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Aufschlag im Badminton: Regeln zu Höhe, Feld und Fehlern
Der Aufschlag ist der einzige Schlag im Badminton, für den die Regeln genau vorschreiben, wie er auszuführen ist. Die Badminton-Regeln zum Aufschlag legen Höhe, Fußstellung, Treffpunkt und Zielfeld fest, und ausgerechnet hier wird im Hobbyspiel am meisten gestritten. Dabei sind die Regeln eindeutiger, als es sich am Mittwochabend in der Schulsporthalle anfühlt, und auch das neue Zählsystem ab 2027 rührt sie nicht an.
Die Aufschlagregeln im Badminton im Überblick
Ein Aufschlag im Badminton ist gültig, wenn er von unten geschlagen wird, diagonal in das gegenüberliegende Aufschlagfeld fliegt und dabei eine Reihe weiterer Bedingungen erfüllt. Der Weltverband BWF zählt sie in seinen Spielregeln einzeln auf, kurz gefasst sind es acht.
- Aufschläger und Rückschläger stehen in den diagonal gegenüberliegenden Aufschlagfeldern, ohne die Linien zu berühren.
- Beide Füße beider Spieler haben vom Beginn des Aufschlags bis zum Schlag mit einem Teil Bodenkontakt und bleiben an ihrem Platz. Springen, Rutschen oder Nachziehen ist verboten.
- Der Schläger trifft zuerst den Kork, also die Basis des Federballs, nicht die Federn.
- Der ganze Federball befindet sich im Moment des Treffens unterhalb der zulässigen Höhe.
- Die Schlagbewegung läuft nach dem Start ohne Unterbrechung nach vorn, Täuschungspausen sind nicht erlaubt.
- Der Ball fliegt vom Schläger aus nach oben über das Netz und würde, ohne Berührung, im Aufschlagfeld des Rückschlägers landen.
- Der Aufschläger lässt den Ball los, ohne ihm absichtlich Drall zu geben.
- Aufgeschlagen wird erst, wenn der Rückschläger bereit ist. Versucht er den Ball zurückzuschlagen, gilt er als bereit.
Ein Verstoß gegen eine dieser Regeln macht den Aufschlag zum Fehler, und der Punkt geht an die Gegenseite. Wer vom Tennis kommt, muss sich daran gewöhnen, dass es keinen zweiten Versuch gibt.
1,15 Meter oder Taille: wie hoch der Aufschlag sein darf
International muss der ganze Federball beim Aufschlag unterhalb von 1,15 Metern über dem Boden getroffen werden. Diese feste Höhe hat die BWF eingeführt, weil die frühere Taillenregel bei großen Spielern zu ständigen Diskussionen führte. Ein Spieler mit 1,95 Metern Körpergröße hatte nach der alten Regel einen deutlich höheren Treffpunkt als eine Spielerin mit 1,60 Metern.
Ob die 1,15 Meter eingehalten werden, prüfen auf internationalen Turnieren Aufschlagrichter mit einer Messvorrichtung, einer Art Glasplatte mit Markierung, durch die sie den Treffpunkt beobachten. In einer gewöhnlichen Vereinshalle steht so ein Gerät natürlich nicht. Deshalb lässt der Deutsche Badminton-Verband für Spiele ohne Aufschlagrichter mit Messgerät weiterhin die ältere Taillenregel gelten. Der Ball muss dann unterhalb der Taille getroffen werden, gemeint ist eine gedachte Linie auf Höhe der untersten Rippe, und Schaft und Schlägerkopf müssen beim Treffen nach unten zeigen.
Fürs Freizeitspiel reicht die Taillenregel völlig. Wer den Ball allerdings auf Brusthöhe trifft und steil ins Feld drückt, schlägt eindeutig falsch auf, und es ist erstaunlich, wie selten das jemand anspricht.
Welches Aufschlagfeld im Einzel und im Doppel gilt
Im Einzel ist das Aufschlagfeld lang und schmal, im Doppel kurz und breit. Das verwirrt Einsteiger regelmäßig, weil das Spielfeld selbst im Einzel schmaler und im Doppel breiter ist, sich das Aufschlagfeld nach hinten aber genau umgekehrt verhält.
Das Spielfeld ist 13,40 Meter lang, im Einzel 5,18 Meter und im Doppel 6,10 Meter breit. Nach vorn begrenzt die kurze Aufschlaglinie das Aufschlagfeld, sie liegt 1,98 Meter vom Netz entfernt. Ein Aufschlag, der davor landet, ist zu kurz. Seitlich begrenzen die Mittellinie und die Seitenlinie das Feld.
- Im Einzel reicht das Aufschlagfeld bis zur hinteren Grundlinie, seitlich gilt die innere Seitenlinie.
- Im Doppel endet das Aufschlagfeld schon an der hinteren Aufschlaglinie für das Doppel, 76 Zentimeter vor der Grundlinie, seitlich gilt die äußere Seitenlinie.
Die Linien gehören zum Feld, ein Ball auf der Linie ist also drin. Berührt der Aufschlag die Netzkante und fällt trotzdem ins richtige Feld, geht das Spiel ganz normal weiter.
Rechts oder links: wer von wo aufschlägt
Aufgeschlagen wird von rechts, wenn die aufschlagende Seite eine gerade Punktzahl hat, und von links bei einer ungeraden. Bei 0, 2 oder 14 Punkten steht der Aufschläger also im rechten Feld, bei 1, 7 oder 13 im linken. Wer den Ballwechsel gewinnt, bekommt den Punkt und hat den nächsten Aufschlag.
Im Einzel hat man das nach zwei Sätzen drin. Das Doppel ist kniffliger, weil vier Leute auf dem Feld stehen und jede Seite nur einen Aufschlag hat.
- Gewinnt die aufschlagende Seite den Punkt, schlägt derselbe Spieler noch einmal auf, nun vom anderen Feld. Nur dieses Paar tauscht dafür die Seiten.
- Gewinnt die rückschlagende Seite, wechselt das Aufschlagrecht. Wer aufschlägt, ergibt sich aus dem Punktestand des neuen Aufschlagpaars und der Position, in der die Spieler gerade stehen. Die Rückschläger tauschen nie die Seiten, nur weil sie einen Punkt gemacht haben.
- Annehmen darf nur der Spieler, der diagonal gegenüber dem Aufschläger steht. Schlägt sein Partner den Aufschlag zurück, ist das ein Fehler.
Die meisten Streitfälle im Doppel entstehen, wenn ein Paar nach einem Punktgewinn bei Rückschlag automatisch die Seiten tauscht. Wer einfach stehen bleibt und dann schaut, wer im passenden Feld steht, liegt fast immer richtig.
Die häufigsten Aufschlagfehler
Die meisten Aufschlagfehler im Freizeitbadminton sind eingeschliffene Gewohnheiten, und die folgenden sieben sieht man in fast jeder Sporthalle.
- Zu hoch getroffen. Der Ball wird über der Taille oder über 1,15 Meter geschlagen, oft beim langen Aufschlag mit Kraft.
- Auf der Linie gestanden. Der vordere Fuß berührt die kurze Aufschlaglinie oder die Mittellinie.
- Fuß angehoben. Beim Ausholen hebt der hintere Fuß ab oder wird nachgezogen.
- Federn zuerst getroffen. Der Schläger erwischt erst die Federn statt den Kork.
- Bewegung unterbrochen. Der Aufschläger holt aus, stoppt kurz und schlägt dann, um den Gegner zu täuschen.
- Falsches Feld. Aufgeschlagen wird von der falschen Seite oder in das Feld direkt gegenüber statt diagonal.
- Ball verfehlt. Wer beim Aufschlag am Ball vorbeischlägt, hat einen Fehler gemacht, einen neuen Versuch gibt es nicht.
Wird ein Fehler erst später bemerkt, etwa dass jemand aus dem falschen Feld aufgeschlagen hat, gibt es keine nachträgliche Strafe. Der Ballwechsel zählt, und die Spieler stellen sich danach richtig auf.
Spin-Aufschlag: warum der Drall verboten ist
Seit 2025 ist der sogenannte Spin-Aufschlag im Badminton dauerhaft verboten. Dabei dreht der Aufschläger den Federball beim Loslassen an den Federn, sodass er mit starker Rotation und unberechenbarer Flugbahn über das Netz trudelt.
Die Technik tauchte im Frühjahr 2023 bei Turnieren auf und verbreitete sich rasend schnell. Wer die Videos von damals sieht, versteht das Verbot sofort, denn selbst Profis schlugen ins Leere oder ins Netz, weil der Ball im letzten Moment die Richtung wechselte. Die BWF reagierte im Mai 2023 mit einem vorläufigen Verbot, verlängerte es zunächst bis nach den Paralympischen Spielen 2024 in Paris und dann bis Anfang 2025. Bei ihrer Jahreshauptversammlung im April 2025 schrieb sie das Verbot endgültig in die Regeln. Seitdem muss der Ball ohne absichtlichen Drall losgelassen werden.
Ganz neu war das Problem übrigens nicht. Schon in den 1980er-Jahren machten die malaysischen Sidek-Brüder einen Aufschlag bekannt, bei dem sie den Ball zuerst an den Federn trafen und ihn dadurch ins Trudeln brachten. Dass heute zuerst der Kork getroffen werden muss, geht direkt auf sie zurück.
Aufschlagarten und was das 3x15-System ändert
Erlaubt ist jeder Aufschlag, der die Regeln einhält, und in der Praxis haben sich vier Arten durchgesetzt.
- Kurzer Aufschlag. Meist mit der Rückhand gespielt, flach über die Netzkante und knapp hinter die kurze Aufschlaglinie. Im Doppel ist er Standard, im Spitzen-Einzel inzwischen auch.
- Langer, hoher Aufschlag. Mit der Vorhand hoch und weit bis an die Grundlinie. Im Einzel und im Freizeitspiel der Klassiker, weil er den Gegner nach hinten zwingt.
- Drive-Aufschlag. Flach und schnell auf den Körper oder in eine hintere Ecke. Er funktioniert nur, wenn der Gegner nicht damit rechnet.
- Flick-Aufschlag. Sieht aus wie ein kurzer Aufschlag, wird im letzten Moment aus dem Handgelenk über den Gegner geschnippt.
Ab dem 4. Januar 2027 spielt die BWF international nach dem neuen 3x15-System, das die Mitgliedsverbände im April 2026 beschlossen haben. Ein Satz endet dann bei 15 statt 21 Punkten, beim Stand von 14:14 braucht eine Seite zwei Punkte Vorsprung, spätestens bei 21 Punkten ist Schluss. Die Pause und im dritten Satz der Seitenwechsel kommen, sobald eine Seite acht Punkte hat. An den Aufschlagregeln selbst ändert das nichts. Höhe, Feld und die Regel „gerade rechts, ungerade links“ bleiben, wie sie sind. Wann und wie sie ihre eigenen Ligen umstellen, entscheiden die nationalen Verbände. Für Hobbyspieler heißt das vor allem, dass in derselben Hallenzeit mehr Sätze möglich sind.
Häufige Fragen zum Aufschlag im Badminton
Ist ein Aufschlag von oben im Badminton erlaubt? Nein. Der Aufschlag muss von unten geschlagen werden, der Ball muss beim Treffen unter 1,15 Metern oder im Freizeitbetrieb unterhalb der Taille sein und vom Schläger aus nach oben über das Netz fliegen. Ein Überkopfaufschlag wie im Tennis ist ein Fehler.
Welche Aufschläge gibt es beim Badminton? Üblich sind vier Aufschlagarten, nämlich der kurze Aufschlag knapp hinter die Aufschlaglinie, der lange hohe Aufschlag bis an die Grundlinie, der flache, schnelle Drive-Aufschlag und der Flick-Aufschlag, der wie ein kurzer beginnt und dann über den Gegner geschnippt wird.
Darf der Aufschlag beim Badminton das Netz berühren? Ja. Berührt der Ball beim Aufschlag die Netzkante und landet trotzdem im richtigen Aufschlagfeld, ist der Aufschlag gültig und das Spiel läuft weiter. Eine Wiederholung wie beim Netzaufschlag im Tennis gibt es nicht.
Gibt es beim Badminton einen zweiten Aufschlag? Nein. Jeder Aufschlagfehler kostet sofort einen Punkt, und das Aufschlagrecht geht an die Gegenseite. Das gilt auch, wenn der Aufschläger den Ball beim Schlagversuch verfehlt.
Wer schlägt nach einem gewonnenen Punkt auf? Den nächsten Aufschlag hat immer die Seite, die den letzten Ballwechsel gewonnen hat. Ob von rechts oder links aufgeschlagen wird, hängt vom eigenen Punktestand ab, bei gerader Punktzahl von rechts, bei ungerader von links.