10 Min.
Sticken für Anfänger: Material, Grundstiche und das erste Motiv
Sticken für Anfänger ist ein erstaunlich günstiges Hobby, und es verzeiht mehr Fehler, als der Blick auf perfekte Stickbilder bei Instagram vermuten lässt. Ein Stück Baumwollstoff, ein Rahmen, eine Nadel und ein Strang Sticktwist reichen für den ersten Abend. Mit sechs Grundstichen lässt sich danach fast jedes einfache Motiv umsetzen, vorausgesetzt, man lernt sie in einer Reihenfolge, in der jeder Stich auf dem vorigen aufbaut.
Was du zum Sticken brauchst
Für den Einstieg ins Sticken brauchst du vier Dinge, nämlich einen festen Stoff, einen Stickrahmen, Stickgarn und eine passende Nadel. Im Bastelladen bekommst du das alles für weniger als 20 Euro, und einiges davon liegt vermutlich schon in irgendeiner Schublade.
Stoff. Am besten eignet sich ein mittelfester, eng gewebter Baumwoll- oder Leinenstoff in einer hellen Farbe. Dehnbare Stoffe wie Jersey oder T-Shirt-Material solltest du am Anfang meiden, weil sie sich beim Sticken verziehen. Für die ersten Übungen tut es auch ein altes Geschirrtuch aus Leinen, das sonst ohnehin im Schrank liegt.
Stickrahmen. Ein runder Holzrahmen mit Schraube, etwa 15 bis 20 Zentimeter im Durchmesser, spannt den Stoff straff. Man kann auch ohne sticken, aber dann ziehen sich die Stiche zusammen und der Stoff wirft Falten, was gerade am Anfang frustriert. Kleinere Rahmen sind leichter zu halten, größere ersparen das Umspannen bei größeren Motiven.
Garn. Das Standardgarn heißt Sticktwist und besteht aus sechs dünnen Einzelfäden, die locker miteinander verdreht sind. Weil sich diese Fäden trennen lassen, bestimmst du selbst, wie dick die Linie wird. Für feine Linien nimmst du zwei, für kräftige drei oder vier, und alle sechs nur für sehr grobe Flächen. Ein Strang ist etwa acht Meter lang, und für das erste Motiv reichen drei oder vier Farben.
Nadel. Sticknadeln haben ein längliches Öhr, durch das mehrere Fäden passen, und eine Spitze, die den Stoff gut durchsticht. Ein gemischtes Set in den Stärken 5 bis 10 deckt fast alles ab. Dazu kommen eine kleine, scharfe Schere und ein Stift zum Übertragen des Motivs, idealerweise ein Trickmarker, dessen Linien mit Wasser oder von allein verschwinden.
Vorbereitung: Stoff spannen und Motiv übertragen
Bevor der erste Stich gesetzt wird, muss der Stoff straff im Rahmen sitzen und das Motiv auf dem Stoff stehen. Beides zusammen ist in zehn Minuten erledigt.
Zum Einspannen löst du die Schraube, legst den Stoff über den inneren Ring, drückst den äußeren Ring darüber und ziehst den Stoff rundherum glatt, bis er sich anfühlt wie die Haut einer Trommel. Dann die Schraube festziehen. Wenn du mit dem Finger auf den Stoff klopfst und es leise ploppt, sitzt er richtig.
Um das Motiv auf den Stoff zu bekommen, gibt es drei einfache Wege. Bei hellem, dünnem Stoff legst du die Vorlage darunter, hältst beides gegen ein Fenster und zeichnest die Linien mit dem Trickmarker nach. Bei dunklem Stoff hilft Kopierpapier für Stoffe. Die dritte Möglichkeit ist wasserlösliches Stickvlies, das man bedruckt, auf den Stoff klebt und nach dem Sticken einfach auswäscht.
Den Faden schneidest du etwa armlang ab, ungefähr 40 bis 50 Zentimeter. Längere Fäden verknoten sich und werden durch das ständige Durchziehen rau. Einen Knoten am Fadenende brauchst du übrigens nicht. Lass auf der Rückseite einfach ein Stück Faden hängen, halte es fest und übernähe es mit den ersten Stichen. Das hält genauso gut und drückt später nicht durch, wenn das Bild an der Wand hängt.
Die sechs Grundstiche in der richtigen Reihenfolge
Mit sechs Grundstichen lässt sich fast jedes Anfängermotiv sticken, und wer sie in dieser Reihenfolge übt, lernt bei jedem Stich etwas, das der nächste braucht. Am besten stickst du jeden Stich zuerst als Probelinie auf ein Reststück Stoff.
- Vorstich. Einfacher geht es nicht. Die Nadel geht abwechselnd nach oben und nach unten durch den Stoff, sodass eine gestrichelte Linie entsteht. Hier lernst du, gleichmäßige Abstände zu halten.
- Rückstich. Wie der Vorstich, nur dass du jeden Stich rückwärts in das Ende des vorigen setzt. So entsteht eine geschlossene Linie, die sich für Umrisse und Schrift eignet. Wenn du nur einen Stich richtig lernst, dann diesen.
- Stielstich. Eine leicht gedrehte, seilartige Linie, ideal für Blumenstiele und geschwungene Konturen. Die Nadel kommt dabei immer auf halber Länge des vorigen Stichs neben ihm heraus, und der Faden liegt stets auf derselben Seite.
- Kettenstich. Eine Reihe ineinandergehängter Schlaufen, die wie eine Kette aussieht. Er wirkt kräftiger als der Stielstich und eignet sich für dekorative Linien.
- Plattstich. Damit füllst du Flächen, indem du die Stiche dicht nebeneinander von einer Kante zur anderen legst. Er sieht leicht aus, und es dauert trotzdem ein paar Versuche, bis die Kanten sauber werden.
- Knötchenstich. Der Faden wird zwei- oder dreimal um die Nadel gewickelt, und daraus entsteht ein kleiner Knoten auf dem Stoff. Ideal für Blütenmitten, Augen oder Punkte.
Beim Knötchenstich wird am meisten geflucht, weil die ersten Versuche durchrutschen oder im Faden verheddern. Der Trick ist, den Faden beim Durchziehen mit der freien Hand straff zu halten und die Nadel nicht direkt im selben Loch, sondern einen Hauch daneben einzustechen.
Kreuzstich oder freies Sticken: was sich für den Einstieg eignet
Für den Einstieg eignet sich das freie Sticken mit den sechs Grundstichen besser, wenn du eigene Motive gestalten willst, der Kreuzstich dagegen, wenn du lieber nach einer Vorlage zählst.
Beim Kreuzstich stickst du auf einem Gitterstoff, meist Aida, kleine Kreuze nach einem Zählmuster. Jedes Kästchen in der Vorlage entspricht einem Kreuz auf dem Stoff. Das ist gut planbar, und das Ergebnis sieht schnell ordentlich aus. Dafür ist man an Raster und Vorlage gebunden, und große Motive dauern lange.
Beim freien Sticken, oft auch Embroidery genannt, stickst du direkt auf eine vorgezeichnete Linie. Das ist freier, verzeiht Ungenauigkeiten besser und passt zu den Blumen-, Pflanzen- und Schriftmotiven, die seit einigen Jahren beliebt sind. Wir empfehlen, mit freiem Sticken anzufangen. Die Grundstiche brauchst du später für fast jede andere Technik, auch für Kreuzstichbilder mit Konturen.
Das erste Motiv: klein anfangen
Das erste Stickmotiv sollte klein sein, aus wenigen Linien bestehen und nur zwei oder drei Stiche brauchen. Wer gleich ein Porträt seines Hundes sticken will, gibt meistens nach dem ersten Abend auf.
Gute erste Motive sind ein einzelner Zweig mit Blättern, ein kleiner Blumenstrauß aus Stielstich, Plattstich und Knötchen, ein Wort oder ein Name in Rückstich oder ein schlichter Berg mit Sonne. Ein Motiv von etwa acht bis zehn Zentimetern Größe ist an zwei, drei Abenden fertig.
Wenn das Motiv fertig ist, kannst du es im Rahmen lassen und den überstehenden Stoff auf der Rückseite festkleben oder einnähen. Der Holzrahmen wird dann einfach zum Bilderrahmen. Alternativ stickst du gleich auf etwas, das du benutzt, etwa ein Geschirrtuch, eine Stofftasche oder einen Kissenbezug. Dafür eignen sich allerdings nur Stoffe, die beim Waschen nicht ausbluten, und das Garn sollte farbecht sein, was bei Markengarnen fast immer der Fall ist.
Typische Anfängerfehler beim Sticken
Die häufigsten Fehler beim Sticken haben mit dem Faden zu tun, und die folgenden fünf erlebt fast jeder am ersten Abend.
- Der Faden verdreht und verknotet sich. Lass die Nadel ab und zu frei herunterhängen, dann dreht sich der Faden von allein zurück. Kürzere Fäden helfen ebenfalls.
- Der Stoff wellt sich um die Stiche. Die Stiche sind zu fest angezogen oder der Stoff saß nicht straff im Rahmen. Den Faden nur so weit ziehen, bis er auf dem Stoff aufliegt.
- Die Rückseite ist ein Fadengewirr. Lange Fäden auf der Rückseite zwischen weit auseinanderliegenden Motivteilen ziehen sich durch hellen Stoff und verhaken sich. Besser abschneiden, vernähen und neu anfangen.
- Die Linie vom Stift ist noch zu sehen. Bei Trickmarkern hilft kaltes Wasser. Bügeln vor dem Auswaschen kann die Linie dagegen dauerhaft fixieren.
- Die Plattstichfläche sieht unruhig aus. Zuerst die Kontur mit einem Rückstich vorsticken und den Plattstich dann über diese Kontur legen. Das gibt eine saubere Kante.
Häufige Fragen zum Sticken für Anfänger
Was braucht man als Anfänger zum Sticken? Als Anfängerin oder Anfänger brauchst du einen festen Baumwoll- oder Leinenstoff, einen Stickrahmen mit 15 bis 20 Zentimetern Durchmesser, Sticktwist in einigen Farben, ein Set Sticknadeln, eine kleine Schere und einen Stift zum Übertragen des Motivs. Fertige Anfängersets enthalten meist alles davon.
Wie fängt man an zu sticken? Zuerst spannst du den Stoff straff in den Rahmen und überträgst ein einfaches Motiv. Dann teilst du den Sticktwist in zwei oder drei Fäden, schneidest ihn auf etwa 45 Zentimeter ab und beginnst mit dem Rückstich entlang der Umrisse. Einen Knoten braucht es nicht, das Fadenende wird mit den ersten Stichen übernäht.
Welche Ideen gibt es für Anfänger beim Sticken? Für den Anfang eignen sich kleine Motive mit klaren Linien, etwa ein Zweig mit Blättern, ein Blumenstrauß, ein Monogramm, ein kurzes Wort oder eine einfache Landschaft. Auch Initialen auf einem Geschirrtuch oder einer Stofftasche sind ein guter erster Versuch.
Wo findet man Stickvorlagen? Stickvorlagen gibt es in Stickbüchern, in Anfängersets und als kostenlose oder kostenpflichtige Downloads von Stickblogs und Designerinnen. Für freies Sticken lässt sich auch fast jede einfache Strichzeichnung als Vorlage verwenden, etwa aus einem Malbuch.